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'You don't mind if we fight for you, do you?'

(John Crichton, Farscape 4.01 Crichton Kicks)



Farscape-Fans kämpfen für eine fünfte Staffel

von Hmpf


Vor über dreißig Jahren traf ein amerikanischer Fernsehsender die Entscheidung, die Produktion einer obskuren 'Kultserie' einzustellen, eines Nischenprogramms, das, so glaubten die Verantwortlichen, niemals ein breiteres Publikum anziehen würde. Dieselben Verantwortlichen waren sehr überrascht, als wütende Zuschauer eine Protestkampagne starteten, wie sie die Fernsehwelt noch nicht erlebt hatte.

Dreißig Jahre und einige Hunderttausend Zuschauerbriefe später lebt 'Star Trek' noch immer.

Vor etwas mehr als fünf Wochen traf ein amerikanischer Fernsehsender die Entscheidung, die Produktion einer obskuren 'Kultserie' einzustellen, eines Nischenprogramms, das, so glaubten die Verantworlichen, niemals ein breiteres Publikum anziehen würde. Dieselben Verantwortlichen waren sehr überrascht, als wütende Zuschauer eine Protestkampagne starteten, die es binnen kurzem schaffte, die Kommunikation des Senders lahmzulegen und nach nur wenigen Tagen ein Ausmaß erreicht hatte, das den Nachrichtensender CNN Headline News dazu bewog, wiederholt über den spontanen Zuschaueraufstand zu berichten. Viele Fernsehkritiker verdammten die Absetzung der Serie als eine programmplanerische Dummheit, die sich mit der Absetzung von 'Star Trek' in den Sechzigern messen könne. Die Fans veröffentlichten Anzeigen in Branchenmagazinen; der Hollywood Reporter gewährte ihnen aus Sympathie mit ihrem Anliegen sogar eine ganzseitige Anzeige zu einem stark ermäßigten Preis...

Die Serie, um die es hier geht ist 'Farscape', in den USA weithin anerkannt als die beste Science-Fiction-Serie seit langem, und eine der besten aller Zeiten, mit Preisen ausgezeichnet, von Kritikern geliebt, und mit einer überaus aktiven, und vor allem: sehr gut organisierten Fanbasis gesegnet.

'Farscape' ist Fernsehen von höchster Qualität, für die Schriftstellerin und Comicautorin Caitlin R. Kiernan ist es sogar mehr als das: “'Farscape' ist, möglicherweise entgegen jede Wahrscheinlichkeit, ein Kunstwerk, in jedem Sinne des Wortes. Etwas, das gleichzeitig einen Spiegel und ein Fenster vor uns setzt, so daß wir im gleichen Moment auf uns selbst und auf die Schöpfung blicken können. Etwas, daß uns gleichzeitig bestätigt und verwandelt. Das, so gut ich es beschreiben kann, ist es, was Kunst tut.“

Die Serie wird in Australien hergestellt, mit einem Ensemble aus australischen und neuseeländischen Schauspielern, unter denen nur ein einziger Amerikaner, der 'Held' der Serie, ist. Die Darsteller, allen voran der Hauptdarsteller und die Hauptdarstellerin, spielen sowohl Szenen von verzweifeltem Ernst als auch Slapstick mit Bravour – und beides kommt häufig und in den wildesten Mischungen vor. Die Drehbücher sind gewagt, voller unerwarteter Wendungen, glänzender Dialoge, und erden noch die absurdesten Situationen in einem oftmals geradezu schmerzhaften emotionalen Realismus. Mehr noch als eine 'Space Opera' ist 'Farscape' die Geschichte der psychologisch glaubwürdigen, radikalen Entwicklung seiner Protagonisten und ihrer schwierigen Beziehungen zueinander in einer durch und durch feindlichen Umgebung.

Neben den Charakteren hat sich auch das Universum, in dem die Serie spielt, über dreieinhalb Jahre sehr entwickelt, und mehr und mehr wird das Schicksal der Helden (und Antihelden) mit der allgemeinen politischen Lage verwoben. Die Geschichte, die sich in den letzten Jahren langsam entfaltet hat, ist sorgfältig konstruiert, und die Handlungsbögen der nächsten Staffel waren bereits geplant, als, für Autoren und Schauspieler gleichermaßen überraschend, die Nachricht kam, daß es diese nächste Staffel nicht geben würde.

Womit wir zum nächsten und vielleicht wichtigsten Punkt kommen, der 'Farscape' die Treue seiner Fans sichert: Seit Beginn der Serie pflegen Darsteller und Crew ein enges Verhältnis zu ihren Fans, durch spontane und weniger spontane Besuche in Chats und auf dem offiziellen Messageboard des die Serie produzierenden Scifi Channels. So wurde auch die Einstellung der Produktion durch den Scifi Channel von David Kemper, Richard Manning, ihres Zeichens ausführende Produzenten und Autoren herausragender Folgen, und Ben Browder, dem Hauptdarsteller, den fassungslosen Fans in einem Chat bekanntgegeben - gerade einmal 24 Stunden, nachdem das Produktionsteam selbst davon erfahren hatte. In den folgenden Tagen, als die erste, heftigste Welle des Protestes über den Scifi Channel hereinbrach, sorgten E-mails unter anderem von Regisseur Andrew Prowse ('Wir glauben an Euch...') dafür, daß der Feuereifer der Fans nicht nachließ.

Die Gründe für die Absetzung liegen im Dunkeln, doch es ist anzunehmen, daß finanzielle Schwierigkeiten bei einem oder mehreren der produzierenden Partner dahinter stecken. Andere Gerüchte besagen, daß der die Hälfte der Kosten tragende Scifi Channel sein Profil verändern und weniger Weltraumserien zeigen möchte. Fest steht, daß der Scifi Channel, der die Absetzung beschlossen hat, durch ungeschickte Programmplanung nicht unschuldig ist an den seit kurzem leicht gesunkenen Zuschauerzahlen seiner bis dahin stärksten Serie. Fest steht auch, daß eine neuerliche Verhandlungsrunde, zustande gekommen aufgrund der Fanproteste, fehlgeschlagen ist. Wie es aussieht, wird 'Farscape', eine Serie mit einem starken Handlungsbogen, mit einem offenen Ende, einem 'Cliffhanger' enden, der von den Autoren niemals als Ende gedacht war.

Es scheint uns heutzutage, in Zeiten der nahezu perfekten Vernetzung des bereits vor der Erfindung des Internets stark 'vernetzten' SF-Fandoms, daß auf jede Absetzung einer auch nur moderat erfolgreichen Serie unwiderruflich eine Protestkampagne folgt. Was diese spezielle Kampagne betrifft, scheinen sich jedoch alle Beobachter und Kommentatoren einig zu sein, daß sie alles Dagewesene seit der Briefaktion zur Rettung von 'Star Trek' übertrifft. Wer sich vom außergewöhnlichen Ideenreichtum, Enthusiasmus und Durchhaltevermögen, und nicht zuletzt der schieren Menge der aktiven 'Farscape'-Fans überzeugen möchte, sollte ihrem 'Hauptquartier', den Foren von www.savefarscape.com (auch: www.watchfarscape.com), einen Besuch abstatten. Die Aktivität dort läßt die auf, beispielsweise, den Foren von www.witchbladecentralstation.com, dem Hauptquartier der Kampagne zur Rettung der nur zwei Wochen vor 'Farscape' abgesetzten Fox-Serie 'Witchblade', weit hinter sich. Obwohl Witchblade einem größeren Publikum zugänglich war, da es auf einem weiter verbreiteten Sender lief, bleibt die Aktivität der 'Witchblade'-Community weit hinter der der 'Scaper', wie sich die 'Farscape'-Fans selbst nennen, zurück - wobei ich hier nichts gegen 'Witchblade', das ich selber gerne sehe, sagen möchte!

Auf die fieberhafte Aktivität der ersten Protestwoche folgte in der zweiten Protestwoche die Ernüchterung. Es begann mit der Verkündung, daß die wieder angesetzten Verhandlungen fehlgeschlagen seien – auch dies wurde in einem Chat vor circa 1500 Fans bekanntgegeben, in diesem Fall von David Kemper, der für Farscape-Fans gewissermaßen das darstellt, was Joss Whedon für 'Buffy'-Fans, oder J. Michael Straczynski für 'Babylon 5'-Fans ist, obwohl Kemper im Gegensatz zu den Vorgenannten nicht der Schöpfer der Serie ist. Darauf folgte ein Radiointerview, in dem 'DK' - zuvor im Chat trocken-bissig und ansatzweise bitter, was bei vielen Fans für den Eindruck gesorgt hatte, er habe aufgegeben - zwar wesentlich positiver klang, aber nichts wirklich Neues zu sagen hatte. Die letzte Hoffnung für 'Farscape', so DK, läge darin, die Quoten für die letzten elf Folgen, die ab Januar in den USA gesendet werden, zu steigern. Dann, so hoffen Fans und augenscheinlich auch David Kemper, könnten andere Sender Interesse an einer Forführung der Serie finden.

Die Euphorie legte sich, und jemand, der Scaper noch nicht in Aktion erlebt hat, hätte annehmen können, daß das Ende des Großen 'Farscape' Protests nicht mehr fern sei.

Weit gefehlt. Nach einer kurzem Atempause, in der man die ernüchternde Botschaft verdaute, begann das Fandom nun erst recht, sich zu organisieren. Mitglieder mit nützlichen Fähigkeiten – Werbe- und Marketingfachleute, Grafikdesigner, in der Fernsehbranche Beschäftigte, Anwälte... -- stellten ihre Dienste zur Verfügung, bildeten Gruppen; es wurde eine lose, aber doch – zumindest bisher – effektive Struktur zur Steuerung künftiger Aktionen aufgebaut. Das Fandom hatte verstanden, daß ihm nun ein längerer Kampf bevorstand, und rüstete sich dafür, ruhig und entschlossen. Wöchentliche 'To Do'-Listen fokussieren die Tätigkeit der Aktivisten auf bestimmte Adressaten – Sponsoren, Programmchefs anderer Fernsehsender, sowie immer noch und immer wieder den Scifi Channel. Fans veranstalten Parties, um möglichst viele neue Zuschauer mit der Serie bekannt zu machen und für ihre Sache zu gewinnen; es wird Geld gesammelt für eine von Werbeprofis unter den Fans organisierte Anzeigenkampagne; und am 5. Oktober haben sich in vielen großen Städten weltweit Fans der Serie versammelt, um für die Erhaltung der Serie zu protestieren. Die Kampagne ist massiv, wohlorganisiert und intelligent, und wurde bisher von den amerikanischen Medien mit wohlwollenden Berichten unterstützt. Sogar einer der meistgelesenen amerikansichen Comicstrips nahm sich kürzlich der Sache der Scaper an.

Das Ziel aller Aktionen, die im Moment geplant und ausgeführt werden, ist einfach; es läßt sich in zwei Ziffern ausdrücken: 2,0. Das amerikanische System zur Messung von Zuschauerquoten, haarsträubend antiquiert und ungenau, liegt in den Händen der Firma Nielsen. Eine Nielsen-Quote von 2,0 ist es, was die Fans für 'Farscape' erreichen wollen. 'Farscapes' Quoten der letzten Staffel lagen zwischen 1,0 und 1,6. Das Ziel mag hochgesteckt erscheinen, doch wenn man einen gewissen Einblick in die Organisation der Fans und ihre Planung hat, beginnt man... an sie zu glauben, wie Andrew Prowse.

Vor allem versuchen die Fans, den Namen der Show so häufig wie möglich in die Medien zu bringen und neue Zuschauer neugierig zu machen. Spektakuläre Aktionen – wie zum Beispiel die weltweite Kundgebung am 5. Oktober, im Rahmen derer sogar drei der Stars auf Fankosten nach Amerika eingeflogen wurden – sollen dafür sorgen. Die Methoden, mit denen die 'Farscape'-Fans versuchen, ihre Serie an den Mann und die Frau zu bringen, reichen vom Absurden (Leuten in Videotheken anbieten, ihre Rechnung zu bezahlen, wenn sie 'Farscape' ausleihen; Videokassetten mit 'Farscape'-Folgen in der Öffentlichkeit 'liegenlassen') bis zum Massenwirksamen (Flugblätter in der gesamten Nachbarschaft verteilen, große Parties zur Einführung von Neulingen in die Serie veranstalten).

Doch die Chancen stehen schlecht. Trotz Gerüchten, daß UPN, der Sender, der kürzlich 'Buffy' gekauft und zu einer weiteren Staffel verholfen hat, an 'Farscape' interessiert sei, ist das Publikum der Serie vermutlich im Moment noch zu klein, um einen Kauf zu rechtfertigen - zumindest das von Nielsen gezählte Publikum. Wenn man das Ausmaß des Protestes im Internet betrachtet, darf man allerdings annehmen, daß das Publikum von 'Farscape' um einiges größer ist, als die Quoten verraten. So werden die Quoten nur bei der ersten Ausstrahlung gemessen, während sehr viele Fans die zwei Stunden spätere Nachtwiederholung nutzen. Außerdem laden viele Fans, die den Scifi Channel nicht empfangen können – durchaus auch in den USA – sich die Folgen aus dem Internet herunter oder lassen sie sich von Freunden, die Scifi empfangen können, auf Video aufnehmen. Die 900.000 bis 1.000.000 Zuschauer, mit denen Scifi im Moment rechnet, wären mit Sicherheit zu niedrig gegriffen, wenn die Serie auf einem weiter verbreiteten Sender laufen würde. Auch daher rührt die Strategie der Fans, in den drei Monaten bis zur Ausstrahlung der letzten elf Folgen möglichst viele von sich reden zu machen – wenn sich die Serie, bzw. der Protest zum nationalen Phänomen auswächst, so die Hoffnung, werden die Fernsehsender verstehen, daß es ein Publikum gibt, daß über die Nielsen-Zahlen hinausgeht.

Soviel zur kurzen, aber bemerkenswerten Geschichte des 'Farscape'-Protestes. Übrigens hat die Nachricht vom unerwartet heftigen Zuschaueraufstand mittlerweile sogar einen Platz in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gefunden, die 'Farscape' zu “beste(m) phantastische(m) Bildschirmkino“ erklärte. (FAZ vom 8.10.2002, Titel: 'Captain Kirk hatte mehr Glück')

Jeder, der sich dem Protest anschließen möchte, ist herzlich willkommen, sich auf www.savefarscape.com die wöchentlichen To Do Listen anzuschauen und ein paar Briefe zu schreiben. Das macht mal mehr, mal weniger Sinn, kann aber vermutlich nie schaden. Ich schreibe jedenfalls brav immer noch jede Woche einige Briefe in die USA, da ich glaube, daß der Strom der Briefe nicht abreißen sollte. Auf jeden Fall wird aber hier in Deutschland in nächster Zeit eine Aktion anlaufen, die das Ziel hat, auch in Deutschland wieder ein Zuhause für 'Farscape' zu finden. Sat.1, das die ersten zwei Staffeln in beispiellos ungeschickter Manier ausgestrahlt hat (zuletzt um 1:30 Uhr sonntagnachts – warum da wohl keiner zugeschaut hat?), hat vor kurzem mitgeteilt, an der dritten Staffel nicht interessiert zu sein, und auch eine Wiederholung der ersten beiden Staffeln scheinen sie im Moment nicht in Erwägung zu ziehen. Wir werden daher nacheinander verschiedene andere Sender koordiniert anschreiben, so daß die Sender – hoffentlich – eine geballte Ladung Briefe von 'Farscape'-Fans (und vielleicht auch ein paar allgemeinen SF-Fans, denen an guter SF im Fernsehen liegt?) erhalten werden und somit sehen können, daß für die Serie auch in Deutschland ein Publikum vorhanden ist.


Links:

www.savefarscape.com – das 'Hauptquartier.'

www.freepilot.org – sehr gutes Archiv von Save Farscape Multimedia (Fernseh- und Radioberichte u.ä.).

forums.scaperoute.com/kansas/ – Kansas, ein sehr aktives Bboard.

benbrowder.net – Angie von benbrowder.net sammelt Geld für Anzeigen.

www.anduranova.de/germanscapers – Bilder von deutschen Farscape-Events.

www.farscape-one.de – vielleicht die größte und beste deutsche Farscape-Seite.

www.sf-community.de – allgemeines SF-Forum mit großer Farscape-Fraktion.

de.groups.yahoo.com/group/farscaped/ – die deutsche Mailingliste zu Farscape.

groups.yahoo.com/group/SaveFarscapeAnnouncements/ – immer die neuesten Nachrichten über die Save Farscape-Kampagne.